Darf man da noch hin?

Interview vom 20.02.2011

ZEIT: Würden Sie Ihren Ägypten-Urlaub jetzt stornieren?
Seifert: Jetzt ja, auch wenn es ein sehr interessantes Land ist. Aber als Tourist ist man ja noch ungeschützter als die Einheimischen, man versteht die Sprache nicht, kann Situationen nicht richtig einschätzen.

ZEIT: Waren die Reiseveranstalter blauäugig, als sie ein Land wie Ägypten zum Ferienparadies aufbauten?
Seifert: Gewiss nicht, Ägypten ist ein Traumland, und ich wünsche mir sehr, dass wir bald wieder dahin kommen, dass Touristen dieses Land und die Menschen dort genießen können. Es gibt für den Frieden nichts Besseres, als wenn Menschen sich kennenlernen, auch in Ländern, wo wir die Regierungen nicht mögen.

ZEIT: Wie beurteilen sie die Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes?
Seifert: Ich vermisse eine klare Ansage: Warnt das Auswärtige Amt vor Reisen nach Ägypten oder warnt es nicht? Mein Verdacht ist, dass die Ferienorte am Roten Meer von der expliziten Warnung ausgenommen wurden, um die Reiseveranstalter zu schützen. Bei einer expliziten Reisewarnung können die Menschen kostenlos stornieren. Bei einem Hinweis sind sie auf Kulanz angewiesen.
Und das geht ja nicht, dass ökonomische Interessen einiger Firmen wichtiger sind als die Sicherheit der Bürger.

ZEIT: Sollten die Deutschen mehr Urlaub im eigenen Land verbringen?
Seifert: Ja, aber damit will ich nicht sagen, dass sie nirgendwo anders hinfahren sollen. Viele verreisen zwei, drei Mal im Jahr, warum sollte eine Reise nicht in die Oberlausitz oder an die Ostsee gehen?

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