Vergessene Opfer – “perfekte” Menschen
Bericht vom 04.02.2011
27. Januar, Berlin Tiergartenstraße 4:
Mehr als 350.000 Menschen wurden aufgrund des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14. Juli 1933 in der Zeit des Nationalsozialismus zwangsweise sterilisiert. Über 200.000 Menschen mit Behinderungen wurden im sogenannten „T4-Programm“ – beschlossen am 1. September 1939 in der Berliner Tiergartenstraße 4 – ermordet.
Unscheinbar das T4-Denkmal an der Berliner Philharmonie, zu dem Behindertenbeauftragter Hubert Hüppe am 27. Januar – dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus – einlud.
Zuvor eröffnete Bundestagspräsident Norbert Lammert im Reichstagsgebäude die Ausstellung „Garten der Erinnerung“ von Valentina Pavlova, in der mit 40 Portraits und Apfelbäumen den ermordeten „lebensunwerten“ Kindern ein Gesicht gegeben wird.
Am Abend dann ein überfälliger Antrag zur Erhöhung der Entschädigungsleistungen für die Opfer der Zwangssterilisierung und „Euthanasie“. Beschämend, dass CDU/CSU, SPD, FDP und Grüne diesen Antrag unter Ausgrenzung der LINKEN in den Bundestag einbrachten.
Was für ein „Akt politischer Hygiene“ für selbsternannte „Demokraten“.
Bleibt die Hoffnung, dass Nachdenklichkeit statt Empörung einsetzt, wenn der Bundesbehindertenbeauftragte Hubert Hüppe, Ilja Seifert, der Bundesvorsitzende der Lebenshilfe Robert Antretter u. a. an solchen und anderen Tagen die Brücke von den Opfern der „Euthanasie“ bis zur aktuellen PID-Debatte schlagen und vor dem Wahn nach dem "perfekten" Menschen warnen.
André Nowak
