Für eine europäisches Krisenüberwindungsprogramm
Interview vom 10.09.2011
Ilja Seifert: "Selbstverständlich wäre es gut, wenn die Lösung der Finanzkrise mit der Ermöglichung der vollen Teilhabe für Menschen mit Behinderungen verbunden würde. Das gilt für Deutschland ebenso wie für Griechenland und alle anderen Staaten, die sich der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet fühlen.
Beispielsweise könnte ein neu aufzulegendes großes Investitionsprogramm, das die Beseitigung bestehender Barrieren zum Inhalt hätte, zusätzliche Konjunkturimpulse für die jeweils einheimische Bauindustrie geben. Gleiches gilt für den Verkehrsbereich. Auch da finden wir jede Menge Barrieren, deren Beseitigung nicht nur blinden, gehörlosen und/oder gehbehinderten Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichte, sondern Allen zusätzliche Bequemlichkeit schüfe.
Solche Programme sollten sowohl auf EU- als auch auf nationaler Ebene aufgelegt werden. Sie müßten auf mindestens 10 Jahre angelegt und gut ausgestattet sein. Parallel dazu dürften keine neuen baulichen, kommunikativen oder psychologischen Barrieren mehr errichtet werden.
So kämen wir innerhalb des vor uns liegenden Jahrzehnts wirklich ein gutes Stück voran. Menschen mit und ohne Behinderungen könnten besser und gemeinsam (inklusiv) am gesellschaftlichen Leben teilhaben und so ihre Persönlichkeit freier entfalten. Die Finanzkrise würde nicht zum „Totsparen“ emanzipatorischer Projekte mißbraucht, sondern als Chance zur nachhaltigen Wirtschaftsbelebung genutzt. Leider unterstützen weder nationale Regierungen noch die EU-Kommission oder gar große Banken ein solches, sinnvolles Krisenüberwindungsprogramm....
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