Lyrik

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Gedichte von Ilja Seifert

Freiheit

Wohnen soll sie
Am gedeckten Tisch, da
Nach dem Tagwerk
Aufs neue
Wir streiten.
23. Oktober 1989

Wenn ein einzelner einem Irrgarten

Entkommt,
Mag er
Gerettet sein.
Wenn er
Der Menschheit
Helfen will,
Muß er den Irrgarten zerstören.
Was aber
Bleibt übrig:
Garten
oder
Irre?
3./19. September 1995

Wer keine Arche bauen kann,

muß die Sintflut
verhindern.
28. September 1994

Grund(ge)sa(e)tzliches

Die Würde des Menschen ist unantastbar. (Art. 1, Satz 1)
Alle Menschen sind vor dem Gesetze gleich (Art. 3, Satz 1)
Eigentum verpflichtet. (Art. 14, Abs. 2, Satz 1)

Das Maß der Würde liegt in der Kreditwürdigkeit.
Ohne Bonität keine würde.
Die Würde jedes einzelnen Menschen ist am Bankschalter
zu erfragen.

Das Gesetz gilt nur für Menschen.
Ohne Kredit sind alle gleich un-würdig.
Nicht-Menschen stehen außerhalb des Gesetzes.

Eigentum ist Sicherheit – für die Bank.
Die Pflicht besteht in der Mehrung der Kredit-Würde.
Gesetzesmenschen mehren die Würde – des Eigentums.
6. Juni 1993

Ich riech’

Nun mal nur selten
Nach Wässerlein von Hugo Boss
Oder sonstnochwem.

Ich riech’
Nun mal
Nach Mensch. –
Na, und?
9. Januar 1999

Die Liebe

Du kannst sie verschenken
Und freudig empfangen.
Besitzen
Wirst du sie nie.
20. März 1987